2026 – Bei den Egerländer Musikanten

Der Böhmische Wind weht Erinnerungen aus dem Banat nach Heilbronn

Die Egerländer Musikanten auf Tournee

Am Freitag, den 27. März 2026, betrat ich das Foyer der Heilbronner Harmonie und fragte voller Neugier: „Ja is denn do a Schwowetreffe?“ Diese Frage richtete ich an sämtliche Personen, die mir begegneten. Obwohl an diesem Abend keine offizielle Veranstaltung des Kreisverbandes Heilbronn stattfand, zog es dennoch zahlreiche Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen in die Harmonie. Der Grund hierfür war das Konzert der Egerländer Musikanten. Unter der Leitung von Alexander Wurz gastierte das Ensemble im Rahmen seiner großen Jubiläumstournee „70 Jahre Egerländer Musikanten“ in Heilbronn. Die besondere Atmosphäre in der Harmonie zeigte, wie sehr die Musik der Egerländer als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Gruppen wirkte. Und für uns Erinnerungen an die Heimat wachrief.

Auf ihrer großen Jubiläumstournee haben die Musiker nicht nur jahrzehntelange Musikgeschichte im Gepäck – sondern ebenfalls einen neuen musikalischen Leiter. Alexander Wurz führt die Egerländer Tradition mit viel Energie, frischem Klang und eigener Handschrift in die Zukunft. Und auch, wenn die “Original Egerländer Musikanten” sich immer wieder neu erfinden – das Orchester steht wie kaum ein anderes für gelebte musikalische Kontinuität, handwerkliche Präzision und Blasmusik auf allerhöchstem Niveau. Sie gelten als das erfolgreichste Blasorchester der Welt!

Die Verbundenheit der Banater Musikanten aus dem Orchester mit ihren Landsleuten zeigte sich an diesem Abend besonders deutlich. Trotz ihrer Egerländer Tracht fühlten sie sich weiterhin als Teil der Banater Gemeinschaft. Dies durfte ich auf eine sehr angenehme Weise erleben. Denn Susi und Seppi Bako lösten an diesem Abend ihre Gutscheine ein, die sie als Weihnachtsgeschenk vom Vorstand des Kreisverbandes Heilbronn erhalten hatten. Diese Anerkennung wurde ihnen für ihr großes Engagement und die zahlreichen Aktivitäten in ihrem Garten zuteil, die sie zugunsten unseres Kreisverbandes geleistet haben. So entstand ein Moment, der nicht nur die Dankbarkeit des Vereins widerspiegelte, sondern auch die emotionale Verbindung zwischen den Landsleuten und die Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement deutlich machte.

Der innigste Wunsch von Susi und Seppi Bako war es, an diesem besonderen Abend ein gemeinsames Foto mit den Banatern aus der Gruppe zu bekommen. Diesem Wunsch wurde mit Freude entsprochen. Franz Tröster, der sich als hervorragender Organisator erwies, führte uns unterprofessioneller Leitung an der Security vorbei in die Katakomben der Harmonie, wo die Musikanten sich vor der Veranstaltung aufhielten. Auch wenn beim Fotografieren der Hintergrund nicht dem festlichen Anlass entsprach, so überwogen die strahlenden Augen und die vor Begeisterung klopfenden Herzen – ein Moment voller Emotionen und Verbundenheit, der für alle Beteiligten unvergesslich bleiben wird.

An diesem Abend musizierten 6 Banater Musikanten nicht nur auf der Bühne, sondern auch in unseren Herzen und riefen wunderschöne Erinnerungen in uns hoch. Seit der Gründung durch Ernst Mosch im Jahr 1956 haben sich die „Original Egerländer Musikanten“ weltweit einen Namen gemacht. Und dieser Name, sowie dessen Musik mit ihren gefühlvollen Text machten sich im Banat schnell breit. Mosch prägte den Stil, den die Banter Schwaben in sich aufsaugten wie ein trockener Schwamm das Wasser. Es gab keine festliche Veranstaltung in den Banater Dörfer, an der die bekanntesten Lieder von Ernst Mosch nicht gespielt wurden. Und tiefe Sehnsucht spielte mit.

Von Moderator Edi Graf, der nach und nach alle Musikanten namentlich vorstellte und ein paar Worte zu ihrer Person sprach erfuhren wir, dass wir zwei richtige „Urgesteine“ an diesem Abend dabeihatten: die Banater Hans Kaszner (seit 38 Jahren dabei) und Franz Tröster (seit 36 Jahren dabei). Beide haben bei Ernst Mosch angefangen und sind immer noch mit voller Begeisterung nun beim dritten Orchesterleiter dabei.

Weil ich diesen Bericht als Banater Schwabe gefühlsbetont und nicht fachlich verfasse möchte ich einige musikalische Blüten erwähnen, die mir in der Pause auch andere Landsleute bestätigten. Wohltuend war es, wenn man in dem Egerländer Quintett drei Landsleute erkennt! Ebenso die Soloeinlagen von Franz Tröster und Helmut Kaszner vor dem Orchester. Auch die wunderbare „Aha-Polka“, die im typischen Egerländer-Sound von Nick Loris geschrieben und an diesem Abend gespielt wurde ist zu erwähnen. Und „Groß‘jes“ Walzer von Lucas vereint alles, was ein Egerländer Walzer haben muss. Er steht sehr wohl für Herkunft und Tradition!

Auch nach der Veranstaltung waren die Banater Musikanten ihren Fans nahe. Ob für eine freundliche Begrüßung, einen Handschlag, für Fotos oder einen kurzen Austausch über frühere Zeiten – nach dem Konzert war alles geboten. Nur keine Starallüren! Denn „unsere“ Musikanten haben erneut bewiesen, wie bodenständig sie trotz ihren Erfolgen geblieben sind und nicht abgehoben haben. Dass sie sich in ihrer Freizeit auch noch sozial engagieren, ist ein weiterer und erwähnenswerter Pluspunkt.

Schön zu erfahren, dass es zwei junge Musiker aus der nächsten Generation in das Orchester geschafft haben. Lucas Kassner und Alexander Hollich spielen nach den guten Vorlagen ihrer Väter und vorbildlicher Ausbildung mittlerweile erfolgreich im Orchester mit. Ein guter Vater zu sein, bedeutet in diesem Fall weit mehr als nur Ernährer zu sein. Er zeichnet sich auch durch Präsenz, emotionale Unterstützung und qualifizierter, aber auch partnerschaftliche Zusammenarbeit aus.

Lucas Kassner hat ein Stück für die Egerländer geschrieben, welches er seiner verstorbenen Großmutter Anna widmete. Sie war bis zum Lebensende hin tief verwurzelt mit ihrer alten Heimat, mit Jahrmarkt im Banat. Auch Nick Loris hat mit „Am großen Brunne“ ein Lied seinem Herkunftsort Jahrmarkt gewidmet.

Auf der Jubiläumstournee „70 Jahre Egerländer Musikanten“ begaben wir uns gemeinsam auf eine musikalische Zeitreise und ließen nicht nur die bedeutendsten Stationen des Orchesters Revue passieren, sondern katapultierten uns auch in unsere Jugendzeit. Als dann die Vogelwiese erklang, hielt uns nichts mehr auf den Sitzen. Rhythmisches Klatschen und kräftiges Mitsingen erfüllten die Heilbronner Harmonie. Die stürmisch geforderten Zugaben erfüllten die Musiker gerne.

Nicht zuletzt auf dem Heimweg haben wir leicht erkannt: Wurz macht das, was Ernst Mosch und Ernst Hutter vor ihm getan haben. Aber das Orchester wird auch mit Gefühl für die Tradition weiterentwickeln. Wurz setzt auch neue Impulse, um die Musik mit Leidenschaft in die Zukunft zu tragen. Deswegen wird er auch bei seinen Fans ankommen. Als erster Beweis sind die über 1.300 begeisterte Fans die emotionale, spannende und unvergessliche Momente an diesem Abend erlebten.

Es war bestimmt nicht nur für Susi und Seppi ein ganz besonderer oder gar letzter Abend mit den „Original Egerländer Musikanten“. Denn ihre Musik hören wir immer wieder gerne. Und wie ertönte der Schlachtruf immer wieder durch die Heilbronner Harmonie? „Einmal Egerländer, immer Egerländer!“

Toni Michels