Banater Schwaben feierten an Pfingsten in Ulm

Die Heimattage der Banater Schwaben an Pfingsten 2026 in der Patenstadt Ulm standen unter dem Leitwort „Heimat im Herzen – Zukunft prägen“ und wurden erneut zu einem eindrucksvollen Zeichen gelebter Gemeinschaft, kultureller Verbundenheit und generationsübergreifender Erinnerungskultur. Tausende Besucher aus Deutschland, Brasilien, Frankreich, Österreich, Rumänien und weiteren Ländern kamen zusammen, um Herkunft, Tradition und Zukunft der Banater Schwaben gemeinsam zu feiern.

Der Pfingstsonntag in den Donauhallen entwickelte sich erneut zum Herzstück der Heimattage. Die „Böhmische Musikanten Polka“ gespielt von der Original Donauschwäbischen Blaskapelle aus Reutlingen bildete am Sonntagmorgen vor der Donauhalle den musikalischen Auftakt zum zweiten Heimattag. Und es freute sich das Banater Herz zu sehen, wie die Menschen in die Messehalle strömten.

Der feierliche Gottesdienst – der um 10 Uhr begann – mit den Fahnenabordnungen, den Trachtenträgern und in musikalischer Begleitung von der Original Donauschwäbischen Blaskapelle aus Reutlingen vermittelte eine starke Atmosphäre von Zusammenhalt und Identität. Den Gottesdienst zelebrierten drei Priester. Die Eröffnung machte der extra aus dem Banat angereiste Pfarrer Ioan Cădărean, von seinen Gläubigen in der alten Heimat, wo er viele deutsche Dörfer in der Banater Heide betreut, liebevoll „Pfarrer Hans“ genannt wird. Eine beeindruckende Predigt hielt Pfarrer Markus Krastl, in der er gekonnt den Bogen zwischen Pfingsten und den Banater Schwaben spannte. Als dritter Zelebrant war unser Heimatpfarrer Paul Kollar dabei.

Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, das Fest des Geburtstags der Kirche, „ist immer aber auch das Fest unserer Landsleute, das Fest der Landsmannschaft, bei dem wir uns aus vielen Orten aufmachen und hierher zusammenkommen und miteinander den Heimattag feiern“, predigte Heimatpfarrer Markus Krastl. Aber wir feierten auch das Pfingstfest. Wir Banater Schwaben sind, so könnte man sagen laut Pfarrer Markus Krastl, „Menschen des Heiligen Geistes“. Hören wir auf das Pfingstereignis, also den Text, den wir in der Lesung gehört haben, so brechen die Jünger mit der Kraft des Heiligen Geistes auf. Die Jünger gehen hinaus und begegnen den unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichster Herkunft. Und sie sprechen zu ihnen in der Sprache des Heiligen Geistes, in der Sprache der Liebe. Sie kommt bei jedem an und sie wird von jedem verstanden.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Heimattage nicht nur Rückblick, sondern auch Zukunftsplattform sind: Vorträge, Ausstellungen, Literaturpräsentationen und Begegnungen zwischen Jung und Alt schufen Raum für Austausch über Geschichte, Kultur und aktuelle Herausforderungen der Gemeinschaft. Besonders die Ausstellung zur Deportation in die Bărăgan-Steppe (1951 – 1956), die am Sonntagmorgen von Dr. Swantje Volkmann, Herrn Walter Tonța und unserem Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber eröffnet wurde,  erinnerte eindrucksvoll an ein schweres Kapitel der banatschwäbischen Geschichte.

Die Jugend- und Trachtengruppen verliehen dem Heimattag Dynamik und Zuversicht und machten sichtbar, dass Brauchtum und Identität auch von der jüngeren Generation weitergetragen werden. Gerade diese Verbindung von Erinnerung und Zukunft prägte die gesamte Veranstaltung. Denn die Aufführungen der volkstümlichen Tänze gehörten auch bei den Heimattagen wieder zu den emotionalen Höhepunkten des Festwochenendes. Mit großer Hingabe präsentierten Jugend- und Erwachsenentanzgruppen traditionelle Tänze aus dem Banat und machten damit die kulturelle Vielfalt und Lebensfreude der banatschwäbischen Gemeinschaft sichtbar.

In den festlich geschmückten Donauhallen sowie auf dem Platz in der Innenstadt im Freien boten die Trachtengruppen ein farbenprächtiges Bild: kunstvoll bestickte Trachten, weiße Blusen, schwarze Westen, bunte Schürzen und sorgfältig geflochtene Zöpfe verliehen den Darbietungen einen authentischen und zugleich feierlichen Charakter. Besonders eindrucksvoll war das harmonische Zusammenspiel der Tänzerinnen und Tänzer, die mit präzisen Schrittfolgen, schnellen Drehungen und schwungvollen Figuren bei Walzer und Polka aufführten. Und als Krönung gab es die Banater Gemeinschaftstänze, bei denen auch die aus Arad angereisten Gastgruppe fröhlich mittanzte. Begleitet von Blasmusik und altbekannten Melodien entstand eine Atmosphäre, die sehr heimatverbunden wirkte. Viele Besucher empfanden die Tänze nicht nur als kulturelle Vorführung, sondern auch als lebendige Erinnerung an die Dörfer und Gemeinschaften des historischen Banats.

Besonders bemerkenswert war die Beteiligung der jungen Generation. Kinder und Jugendliche traten mit großer Begeisterung auf und zeigten, dass Traditionen weiterhin gepflegt und weitergegeben werden. Gerade dieser generationenübergreifende Charakter verlieh den Tanzaufführungen eine besondere Bedeutung: Sie standen symbolisch für die Weitergabe von Kultur, Sprache und Gemeinschaftsgefühl.

Nach 18 Uhr sorgte das bei den Banater Schwaben bekannte und beliebte Trio „Akustik3“ mit ihren Schlagern für flotte Tanzmusik und gute Stimmung in der Halle. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen, alte Bekannte auf der Tanzfläche zu treffen und gemeinsam zu feiern. Dabei wurde auch an die Tanzgruppe aus Arad gedacht. Ihnen zuliebe wurden ein paar rumänische Lieder gespielt. Die strahlenden Augen der Tänzer waren ein sichtbarer Dank für diese nette Geste. Mit bekannten Melodien und schwungvollen Tänzen den Abend in geselliger Atmosphäre ausklingen zu lassen, war der Herzenswunsch vieler Besucher.

Abschließend bestätigten die Heimattage 2026 erneut die besondere Bedeutung von Ulm als Patenstadt der Banater Schwaben. Die Stadt bleibt nicht nur historischer Ausgangspunkt der einstigen Auswanderung mit den „Ulmer Schachteln“, sondern bis heute ein emotionaler Treffpunkt der Gemeinschaft. Diese Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, dass Heimat nicht allein ein geografischer Ort ist, sondern vor allem in Sprache, Kultur, Erinnerung weiterlebt. Vor allem aber in der Gemeinschaft. Und nicht zuletzt in unseren Herzen!

Toni Michels