Tag der Heimat 2026

Unter dem Leitwort „Bekenntnis und Verantwortung: Unser Kulturgut verbindet Europa“ hat der Bund der Vertriebenen, Landesverband Baden-Württemberg e. V., am Sonntag, 20. September 2026, zum traditionellen Tag der Heimat in Stuttgart eingeladen. Die zentrale Veranstaltung der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler in Baden-Württemberg wird bereits seit 1950 in der Landeshauptstadt begangen.

Schon vor Beginn des offiziellen Programms erfüllten die Klänge des Original Karpaten-Express den Hegelsaal der Stuttgarter Liederhalle mit festlicher Stimmung. Die Blaskapelle sorgte mit ihrer schwungvollen Musik für einen beschwingten Auftakt und begleitete die Veranstaltung auch im weiteren Verlauf immer wieder mit einzelnen musikalischen Beiträgen.

Um 14 Uhr erfolgte der Einmarsch der teilnehmenden Gruppen. Allen voran ging Norman Thalheimer mit der Europa-Fahne. Es folgen weitere Fahnenträger und die teilnehmenden Gruppen. Den Schluss der langen Kolonne bildeten die Kinder der Tanzschule „Nathalie“.

Das offizielle Kulturprogramm eröffnete der Chor der Banater Schwaben Stuttgart. Eine besondere Bedeutung hatte sein Auftritt auch deshalb, weil die Singgemeinschaft in diesem Jahr auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Gegründet wurde der Chor 1986 von Hildegard Mojem, die ihn drei Jahrzehnte lang leitete. Mit „Loreley“ und zwei weiteren Liedern stimmten die Sängerinnen und Sänger das Publikum auf einen Nachmittag ein, bei dem Musik, Gesang und Tanz und damit die Pflege und Weitergabe des kulturellen Erbes im Mittelpunkt standen.

Anschließend zeigte die Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen aus Böblingen ihr Können. Auch sie hatte in diesem Jahr einen besonderen Grund zum Feiern: Die Gruppe blickt auf ihr 25-jähriges Bestehen zurück. In ihren traditionellen Trachten und mit schwungvollen Tänzen brachten die Tänzerinnen und Tänzer Bewegung und Farbe auf die Bühne. Für ihren gelungenen Auftritt ernteten sie herzlichen Beifall des Publikums.

Im Anschluss an die ersten kulturellen Darbietungen begrüßte der BdV-Landesvorsitzende Hartmut Liebscher die Gäste und eröffnete damit den offiziellen Teil der Veranstaltung. Zahlreiche Ehrengäste waren der Einladung gefolgt, allen voran BdV-Präsident Stephan Mayer. Herzlich willkommen geheißen wurden zudem Muhterem Aras, Vizepräsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, sowie Isabel Kling, Ministerialdirektorin im Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg. Sie vertrat an diesem Nachmittag die Ministerin Marion Gentges, die aufgrund anderer Verpflichtungen nicht persönlich an der Veranstaltung teilnehmen konnte.

Grußworte gingen auch an Rainer Wieland, Rechtsanwalt und Ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Dr. Vlad Vasiliu, Generalkonsul von Rumänien, Joschi Ament, Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und Vorstandsvorsitzender des Kulturkreis Elek e.V. sowie Heiko Kusche, Leiter des Referats Bürgerschaftliches Engagement im Sozialministerium.

In ihrem Grußwort stellte Muhterem Aras die Bedeutung von Heimat und kultureller Identität in den Mittelpunkt. Heimat, so die zentrale Botschaft ihrer Ausführungen, sei mehr als ein Ort: Sie entstehe dort, wo Menschen Zugehörigkeit erfahren, gemeinsame Werte teilen und kulturelle Traditionen weitergeben. Gerade in einer vielfältigen Gesellschaft könne die Pflege des kulturellen Erbes dazu beitragen, Verbundenheit zu schaffen und Brücken zwischen Menschen und Generationen zu bauen. Heimat verstand Aras dabei nicht als Abgrenzung, sondern als einen offenen Ort der Begegnung, der unterschiedliche Lebensgeschichten und Erfahrungen miteinander verbindet.

Daran knüpfte Isabel Kling in ihrem Grußwort an. Als Vertreterin des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat würdigte sie das vielfältige Engagement für den Erhalt von Traditionen und kulturellem Erbe. Sie hob die Bedeutung gewachsener Bräuche und kultureller Ausdrucksformen hervor, die nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern auch in der Gegenwart lebendig gehalten und an kommende Generationen weitergegeben werden. Gerade in einer Zeit, in der sich Lebenswelten und Gesellschaft stetig verändern, komme der Pflege von Kultur und Gemeinschaft eine besondere Bedeutung zu.

Anschließend folgte eine musikalische Einlage der Egerländer Familienmusik Hess, die es sich seit ihrer Gründung im Jahr 1978 zur Aufgabe gemacht hat, die traditionelle Volksmusik lebendig zu halten. Die Gruppe widmet sich dabei sowohl überlieferten Stücken aus alten Egerländer Liederhandschriften als auch Melodien, die sie im Rahmen eigener Recherchen wiederentdeckt und aufbereitet. Auf diese Weise bewahrt sie nicht nur ein wertvolles Stück musikalischer Überlieferung, sondern hält zugleich die kulturelle Verbundenheit mit der Heimat ihrer Vorfahren im Egerland lebendig.

Gleich darauf betrat die Jugendtanzgruppe der Donauschwaben Mosbach die Bühne. In ihren originalen Trachten aus Ungarn präsentierten die jungen Tänzerinnen und Tänzer zwei traditionelle Tänze und setzten damit das abwechslungsreiche Kulturprogramm eindrucksvoll fort.

Nach den schwungvollen Tänzen wandte sich das Programm wieder dem Gesang zu. Der Chor „Freundschaft“ der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Stuttgart erfreute das Publikum mit „Lebe, liebe, lache“ und zwei weiteren Liedern und setzte damit einen stimmungsvollen musikalischen Akzent.

Toni Michels