Wanderung durch die Heilbronner Waldheide
Immer wieder auf der Suche nach dem Besonderen, hatte sich der Vorstand des Kreisverbandes Heilbronn in diesem Jahr etwas Einzigartiges für unsere Herbstwanderung einfallen lassen: Natur erleben und dabei ein Stück Geschichte aus dem Heilbronner Raum entdecken.
Das Ziel war die Waldheide, ein Gelände mit einer bewegten Vergangenheit. Sie ist eine im Stadtwald im Osten Heilbronns gelegene rund 52 ha große Waldblöße, die von eichenreichen Laub-Wäldern umgeben wird. Einst militärisch genutzt und für die Öffentlichkeit gesperrt, präsentiert sie sich heute als renaturiertes Naherholungsgebiet mit zahlreichen Wanderwegen und vielen Möglichkeiten zum Verweilen und Entspannen. Auf den blütenreichen Wiesen finden zudem Schafherden reichlich Nahrung.
Bei herrlichem Herbstwetter konnte Kreisvorsitzender Anton Michels rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus sechs verschiedenen Kreisverbänden zur diesjährigen Herbstwanderung herzlich begrüßen. Erfreulich war, dass in diesem Jahr zum ersten Mal auch Siebenbürger Sachsen aus dem Heilbronner Landkreis an der Wanderung teilnahmen.
Nach einigen einführenden Worten zur bevorstehenden Wanderung galt ein besonderer Dank allen, die durch ihre Unterstützung und ihr Engagement zum guten Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen hatten. Denn eine solche gemeinsame Unternehmung lässt sich nur mit vielen helfenden Händen und guter Vorbereitung verwirklichen.
Sehr gut angekommen ist der Flyer, den Hilde Paul eigens für diese Wanderung gestaltet hatte. Fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten ihn gleich am Morgen in ihren Status – ein schönes Zeichen dafür, wie Zusammengehörigkeit, Freundschaft und Verbundenheit auch nach außen sichtbar werden können.
Von Anfang an zeigte sich, wie harmonisch unsere Wandergruppe zusammenspielte. Schnell waren die Leute in der Gruppe in Gespräche aller Art verwickelt und trotzdem passte das gemeinsame Tempo für alle, sodass man die Wanderung entspannt genießen konnte. Im Austausch mit Gleichgesinnten verging die Zeit wie im Flug – ein schönes Zeichen für die Verbundenheit und das gute Miteinander unserer Gruppe.
Nach etwa eineinhalb Stunden legten wir am Aussichtspavillon, wo wir eine schöne Weitsicht ins Weinsberger Tal hatten, eine Vesperpause ein. In aller Ruhe konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an ihrem mitgebrachten Essen stärken und die gemeinsame Pause genießen.
Ein wertvoller Pluspunkt in dieser Pause war der Vortrag von Renate Bayerle, Mitglied des Vorstandes, die uns mit einer fundierten und anschaulichen Präsentation in die Geschichte der Waldheide entführte. So erfuhren wir viel Interessantes über die lange und bewegte Vergangenheit dieses besonderen Ortes und erhielten dabei spannende Einblicke in seine Geschichte, seine Entwicklung und die zahlreichen Ereignisse, die ihn im Laufe der Zeit geprägt haben.
Dabei hatte hier zunächst nur die Landwirtschaft in Form von Weide- und Ackernutzung eine Rolle gespielt. Im 19. Jahrhundert erfolgte dann eine teilweise Aufforstung. 1883, in Folge des Deutsch-Französischen Krieges, wurde hier ein Exerzierplatz eingerichtet. Ab 1918 wird die Waldheide Naherholungsgebiet für die Heilbronner Bevölkerung. Zu diesem Zeitpunkt entstand auch die Bezeichnung „Waldheide“. Während des Dritten Reichs wurde die Waldheide dann erneut militärisch genutzt und diente als Truppenübungsplatz.
Doch die Geschichte der Waldheide hat auch eine ernste und traurige Seite. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die US-Army das Gelände. Schließlich wurden hier Atomraketen stationiert, zuletzt Pershing II-Raketen.
Am 11. Januar 1985 ereignete sich ein schwerer Raketenunfall, als sich während Wartungsarbeiten die erste Stufe einer US-amerikanischen Pershing-II-Atomrakete entzündete und explodierte. Dabei haben drei US-Soldaten ihr Leben verloren und weitere 16 Soldaten wurden teils schwer verletzt. Ursache war eine statische Entladung im Raketentreibstoff, begünstigt durch extreme Kälte. 1990 gab die US-Army das Gelände schließlich auf und zog ab.
Besonders eindrücklich wurde dieses Kapitel der Geschichte für unsere Wandergruppe durch eine überraschende persönliche Verbindung. Steffi Mackert, der mit uns wanderte erzählte aus seinen Erinnerungen. Als ehemaliger Beschäftigter bei den US-Streitkräfte in Heilbronn war Steffi an diesem Tag auf der Waldheide im Einsatz und hat den Pershing-Unfall hautnah miterlebt. Zusammen mit drei anderen Arbeitskollegen war er zum Zeitpunkt der Explosion oben auf dem Stützpunkt, als das Feuer ausbrach.
Um das Gehörte in geselliger Runde noch ein wenig „verdauen“ zu können, sorgte plötzlich Martin Rheindt – früher gemeinsam mit seiner Elke in unserer Tanzgruppe aktiv – für eine ganz besondere Überraschung: Aus seinem Rucksack zauberte er eine Flasche nach der anderen hervor. Die stattliche Auswahl an feinen Likören, Blutwurz und anderen kleinen „Geistlichkeiten“ ließ wahrlich keine Wünsche offen. Die liebevoll selbstgebrannten Köstlichkeiten fanden bei den Kollegen großen Anklang und wurden mit viel Lob und sichtlicher Freude verkostet.
Die Stimmung wurde von Flasche zu Flasche heiterer, und so machte sich die inzwischen bestens gelaunte Wandergruppe schließlich wieder auf den Weg. Unter den inzwischen angenehm wärmenden Sonnenstrahlen führte unser Weg zurück zum Parkplatz, wo unsere Autos bereits auf uns warteten. Gut gelaunt und mit vielen schönen Eindrücken im Gepäck, setzten wir anschließend unsere Fahrt nach Neckarsulm fort. In gemütlicher Kolonne ging es in den Garten von Susi und Seppi Bako, wo bereits der nächste gesellige Höhepunkt unserer gemeinsamen Unternehmung auf uns wartete.
Im Garten wurden wir bereits von unseren gut gelaunten Landsleuten, die leider nicht an der Wanderung teilnehmen konnten, mit einem herzlichen Sektempfang begrüßt. Schon dieser Empfang ließ erahnen, dass uns noch ein ganz besonderer kulinarischer Höhepunkt erwartete.
Und dann war es endlich so weit: Das lang ersehnte Kesselfleisch war angerichtet! Susi und Seppi hatten es mit viel Liebe und Sorgfalt frisch im Kessel zubereitet. Für all jene, die es lieber etwas „gegrillter“ mochten, sorgten die gut erzogenen Schwiegersöhne von Susi und Seppi – Reinhold Bako und Oliver Jörger – am Grill. Dort fanden die von Seppi selbst hergestellten mici ihren Platz und verbreiteten einen verführerischen Duft im ganzen Garten.
Nach der langen Wanderung und bei diesen Köstlichkeiten ließ sich natürlich niemand lange bitten – es wurde kräftig zugelangt und herzhaft genossen. Bei Speis und Trank entwickelte sich schnell eine fröhliche und gesellige Runde. Dabei wurden auch viele Erinnerungen an vergangene Zeiten wach: an die Jahre, als man im Elternhaus noch selbst schlachtete, Kesselfleisch zubereitete und solche gemeinsamen Mahlzeiten ganz selbstverständlich zum ländlichen Leben gehörten. So wurde aus dem gemeinsamen Essen nicht nur ein kulinarischer Genuss, sondern auch eine kleine Reise zurück in längst vergangene, aber unvergessene Zeiten.
Später wurde es noch einmal gemütlich: Bei Kaffee und einer reich gedeckten Kuchentafel ließen wir es uns gut gehen. Anna, Helga, Renate und Ruth hatten uns mit viel Liebe und einer köstlichen Auswahl an selbstgebackenen Kuchen verwöhnt. Nach dem herzhaften Essen war etwas Süßes genau das Richtige.
Doch damit nicht genug: Aus den Kellern von Fredy Neurohr und Seppi Bako wurden anschließend noch so manche „Hochprozentige“ hervorgeholt und in geselliger Runde ausgeschenkt. Schließlich sollte auch die Verdauung nach all den kulinarischen Genüssen nicht zu kurz kommen – und bekanntlich kann ein kleiner „Verdauungshelfer“ dabei wahre Wunder wirken. So wurde der Nachmittag bei Kaffee, Kuchen und dem einen oder anderen guten Tropfen fröhlich und genussvoll fortgesetzt.
Der guten Stimmung folgend, wurde ein Lied nach dem anderen angestimmt. Den lauen Sommerabend ließen wir schließlich bei Gesang und einer fröhlichen Polonaise ausklingen – getragen von der besonderen Atmosphäre dieses gemeinsamen Tages und der schönen Erkenntnis, dass sich Geschichte, Natur, Gemeinschaft und gemeinsame Erlebnisse auf wunderbare Weise miteinander verbinden lassen.
Beim Abschied war in den Gesichtern und Worten der Gäste deutlich zu spüren: Den Organisatoren war einmal mehr eine rundum gelungene und vor allem wunderbar gemeinschaftliche Veranstaltung geglückt. Solche Stunden zeigen, was Vereinsleben im besten Sinne ausmacht: miteinander unterwegs zu sein, Erinnerungen zu teilen, gemeinsam zu lachen und aus vielen einzelnen Begegnungen ein starkes Miteinander entstehen zu lassen.
„Was wäre eure Wanderung ohne den Abschluss bei Bakos im Garten?“, wurde unser Vorsitzender von einem Freund bei dessen Verabschiedung gefragt. Die Antwort darauf fällt leicht: Mit Sicherheit nur halb so schön und weniger erfolgreich. Denn dieser besondere Ausklang gehört längst zu dem, was unsere Herbstwanderungen so einzigartig macht und Gäste aus anderen Kreisverbänden anzieht. Ohne Bakos und ihren Garten würde uns allen ganz gewiss etwas Bedeutsames fehlen!
Katharina Zornik
