Zeitzeugin: KATHARINA FRANK Kapitel 4.6.: Wien, die rumänische Grenze und Arad

Dieses Kapitel fäng ähnlich wie das vorherige an, die heimkehrenden Frauen hatten schon wieder eine Begegnung mit den Grenzwächtern in Österreich. Aber mit den jetzt echten lief es dann doch besser als erwartet. Es war mittlerweile auch etwas Zeit vergangen, die angespannte Kriegssituation ist nach und nach zumindest etwas abgeebbt und insgesamt waren die Menschen wieder mehr in der Lage, sozialer agieren zu können. Das Auffinden durch die österreichischen Grenzwärter war demnach gut und die Gruppe erhielt Verpflegung und Unterkunft, vor allem aber auch die Geste der Hilfe an sich.

Es folgten postive Geschehnisse mit ein bisschen mehr Sicherheit, Geleit und Unterstützung. Aus der Art und Weise, wie meine Großmutter diesen Teil erzählt, kann man gut heraus hören, dass es eine schöne Veränderung war nach dem langen zwar in der Gruppe aber dennoch alleinigem Durchhalten. Endlich gab es mal eine Verschnaufspause und dazu noch eine warme Mahlzeit. Ein erster Hauch von Gemeinsamkeit und Familie. Man kommt der Heimat demnach näher. Die österreichischen Behörden in Wien vermittelten mit den russischen Streitkräften und diese kümmerten sich wiederum um den weiteren Transport. Bis dahin konnten die Frauen in der katholischen Mission unterkommen. Weitere Heimkehrer trafen ein und nach nur drei Tagen waren es bereits 150 Personen. Die Frauen konnten sich also kurz ausruhen, dann ging es aber in einer organisierten Rückbringung weiter mit dem Zug über Wien quer durch Ungarn Richtung Banat.

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Kapitel 4.7. – [ NACH DER HEIMAT 🏘 ]
🎒 Wien, die rumänische Grenze und Arad👮

Also wir mussten mit ins Grenzjägerhaus kommen. Wir sind dann mit gegangen.

(Grenzjäger): Also ihr seid in Österreich!

Jetzt dort, da saß so ein großer Herr. Dann mussten wir die russischen Entlassungspapiere zeigen, die hat er uns weggenommen. Und er fragte, ob wir noch deutsches Geld haben. Wir Dummerchen haben dann ja gesagt. Dann hat er uns das Geld abgenommen. Wir waren da dann bei der Grenzpolizei. Dann hat der Soldat mit uns zum Zug gehen müssen. Als wir dann draußen waren hat er gesagt:

(Soldat): Ihr Schweinehunde! Kein Hahn hätte nach euch gekräht, wenn ihr den anderen Weg gegangen wärt! So haben wir nur Arbeit!

Aber es war gut. Der ist mit uns, wart mal, Urfa, ich kann mir das nicht mehr so gut merken. Dort hat er mit uns in den Zug steigen müssen. Bis Urfar. Aber wo sind wir in den Zug eingestiegen? Also dort sind wir ausgestiegen. Dann hat er uns dem russischen Kommando übergeben. Und er hat die russische Entlassung dem Major dort gegeben, dem russischen. Der war von Kiew und der hat so schön deutsch sprechen können. Wir saßen dann vor dem, der hat dann die Namen vorgelesen, dann haben wir wieder unsere Entlassungen bekommen. Dann hat er gesagt:

(Major): Schade, niemand kommt von Kiew.

Er bekommt ja Schreiben, aber er ist so neugierig, wie es seiner Familie geht. Weil er hat eine Familie daheim, hat er gesagt. Also er hat uns einen guten Weg gewunschen und jetzt sollen wir da nebendran rein gehen, da ist eine große Küche und dort bekommen wir was zu essen. Wir müssen nur sagen, dass wir Heimkehrer sind. Dort waren dann Nudeln mit Quark. Da haben wir dann gegessen. Dann hat uns einer bis raus aus der Stadt geführt, am Ende der Stadt. Da war ein großes Haus. Und als wir da dann drin waren, das hat ausgeschaut wie ein Gefängnis. Der Wärter, der da war, der hat einen Schlüssel in die Hand genommen und gemeint:

(Wächter): Ich werde euch nicht einsperren. Aber zuerst bekommt ihr zu essen.

Dann haben wir gemeint:

(Frauen): Wir haben gerade erst gegessen.

Dann ist er mit uns durch einen langen Gang gegangen. Rechts und links waren Eingesperrte. Ganz hinten am Ende, da war die Tür offen und hier war die Tür offen. Dann hat er gemeint:

(Wächter): Hier ist euer Lager.

Und wirklich, da waren dann so Strohsäcke gelegen und ein nicht so großes Fenster und zwei Tische und Stühle. Dort im Eck war dann das WC. Da sagt er dann:

(Wächter): Ihr braucht nicht da drauf gehen. Die Tür hier, da ist das WC, da geht ihr dann hinein.

Also gut. Das war alles weiß geweißelt. Er ist gegangen. Dann sagt die Eine:

(Eine der Frauen): Schaut mal, die Mauer ist hier ja ganz verschrieben.

Dann haben wir geschaut nach Namen. Und dann haben wir unsere Namen hingeschrieben und:

(Hinterlassener Text): Kommt nach! Es geht uns ganz gut!

Bis morgens waren wir dann 28 Personen. Dann ist ein Bus gekommen, der hat uns dann bis zur Kurvenstraße nach Wien gefahren! Weißt du wie das schön war! Entlang der Donau! Dort ist er dann stehen geblieben und hat uns abgeladen und ist dann fort gefahren. Jetzt standen wir da und haben geredet. Dann ist eine Frau gekommen und hat gefragt:

(Passantin): Was suchen Sie denn?

Die hat ja gesehen, wer wir sind.

(Frauen): Na, wir machen nach der Heimat. Wir suchen die katholische Mission oder die evangelische Mission.

(Passantin:) Ja, das kann ich Ihnen schon sagen. Hat sie gesagt. Da müssen Sie mit der 118 Straßenbahn fahren zum Südwestbahnhof.

Also gut. Jetzt ist die Straßenbahn gekommen. Sie hat gleich vorgesprochen für uns. Also dass wir kein Geld haben und wo wir hin müssen. Dann ist er stehen geblieben, also der ist öfter stehen geblieben, aber auf einmal ist er gekommen und hat dann gesagt, dass wir jetzt aussteigen müssen.

(Schaffner): Jetzt kommt die katholische Mission.

Also uns wäre auch die evangelische Mission auch gut genug gewesen. Ja jetzt sind wir ausgestiegen und dann sind wir gegangen. Da waren drei Baracken, Holzbaracken. An der ersten haben wir angeklopft, da waren Nonnen. Dann ist die gekommen und hat uns empfangen, uns gleich zu essen gegeben und ein Zimmer hergerichtet und alles. Es war kurz vor Mittag und sie hat gesagt, dass wir jetzt schon wieder mit der 118 Straßenbahn fahren müssen, um zum Mittagessen in die Heimkehrerstelle zu kommen. Also dann sind wir gefahren. Als wir dort angekommen sind, oben im ersten Stock, da waren dann schon viele Leute, solche wie wir waren. Dort haben wir dann zu Mittag gegessen und sind wieder zurück zu unserem Platz. Andere sind von dort auch schon Heim gegangen und von dort haben wir das dann auch mitbekommen, wie das alles geht. Also jetzt waren wir zwei, drei Tage dort. Dann hat die Nonne gesagt:

(Nonne): Das rumänische Konsulat ist nicht weit von hier. Das französische, englische, viele Konsulate sind in der Ecke.

Wir sollen zum rumänischen Konsulat gehen, vielleicht stellen die einen Transport zusammen. Jetzt hat der uns nicht rein lassen wollen. Wir sind zu dritt gegangen. Aber wir konnten doch rumänisch. Er solle uns doch rein lassen.

(Frauen): Wir wollen doch Heim auf Rumänien! Wir wollen nicht in Deutschland bleiben, weil Rumänien ist uns lieb und alles.

Dann hat er uns rein gelassen. Oben in den zweiten Stock mussten wir. Jetzt sind wir da rein gekommen, da hat der Offizier gefragt, was wir wollen. Dann haben wir gesagt, dass wir nicht zu Fuß laufen müssen, ob man nicht einen Transport zusammen stellen könnte. Also auf rumänisch:

(Offizier): Nur so, wenn 150 Personen beisammen sind.

(Frauen): Also da müssen wir lange bleiben.

Nein! In drei Tagen waren da 150 Personen zusammen. Was meinst du! Also dann wurde ein Transport zusammengestellt. In Ungarn ist er stehen geblieben. Dort haben wir dann noch zu essen bekommen. Knäckebrot mit Gulasch. Das war aber gut! Und dann sind wir weiter gefahren. Und vor Rumänien, also hier war die ungarische Grenze und da die rumänische. Da haben wir aussteigen müssen. Der Rumäne hat uns nicht, es war nachts, der hat uns nicht in den Bahnhof rein gelassen. Wir waren draußen auf der Straße auf dem Asphalt, dort saßen wir. Gegen Morgen hat man gesehen, da sind zwei Frauen mit einem Hundewagen gefahren gekommen. Die haben was auf dem Wagen gehabt und die sind vor uns stehen geblieben.

(Rotes Kreuz Helferinnen): Ja wieso seid ihr hier? Warum nicht drinnen?

Dann haben wir gesagt:

(Frauen): Der hat uns nicht rein gelassen.

Dann sagt die:

(Rotes Kreuz Helferinnen): Wir sind vom Roten Kreuz. Wir haben Kaffee und Tee und belegte Brötchen. Wir kommen jeden Morgen hier hin und schauen, ob Heimkehrer da sind. 


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>>> Kapitel 4.7. Nächtliche Heimkehr und Versteckaktion >>>


Zum Anfang und zur Übersicht geht es hier:

PART IV – NACH DER HEIMAT

PART III – VERSCHLEPPUNG

PART II – KINDHEIT

PART I – INTRO