Die Landsmannschaft der Donauschwaben Mosbach e.V. zählt zu den größten und aktivsten Ortsverbänden der Landsmannschaften in Baden-Württemberg. Mit großem Engagement widmet sie sich der Pflege und Weitergabe des donauschwäbischen Kulturguts, der Traditionen und der Völkerverständigung. Zahlreiche aktive Gruppen tragen dazu bei, die Kultur lebendig zu halten und sie auch für kommende Generationen erlebbar zu machen.
Das Festwochenende anlässlich des 76. Kirchweihfestes begann bereits am Freitag, den 25. September 2026, um 18:00 Uhr mit einem festlichen Kirchweihgottesdienst in der St. Josefskirche in Mosbach. Am Samstag wurde das Kirchweihfest mit einem abwechslungsreichen Programm in der Pattberghalle in Mosbach-Neckarelz fortgesetzt.
Im Mittelpunkt des Festwochenendes standen die donauschwäbische Kultur, die traditionellen Trachten, Musik und Tanz – vor allem aber die Begegnung und das gesellige Miteinander. Zahlreiche Gäste waren der Einladung gefolgt und sorgten gemeinsam mit den Gastgebern für eine stimmungsvolle und festliche Atmosphäre.
Pünktlich wie geplant setzte sich der Trachtenzug um 18 Uhr in Bewegung. Voran ging fahnenschwingend Stefan Ihas, Ehrenpräsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben. Ihm folgten die Trachtenträger und Tanzgruppen. Zum Einmarsch spielte die traditionelle Blaskapelle „Die Gschlampadn“, die sich der böhmisch-mährischen Blasmusik verschrieben hat, den allen im Saal bekannten Prinz-Eugen-Marsch.
Der Vorsitzende Anton Kindtner begrüßte die zahlreichen Gäste im festlich geschmückten Saal und hieß auch die anwesenden Ehrengäste herzlich willkommen.
Zu den Ehrengästen zählten unter anderem Dr. András Izsák, ungarischer Generalkonsul in Stuttgart, Gabriella Jakab, ungarische Botschafterin in Dänemark, sowie Stefan Ihas, Ehrenpräsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben. Ebenfalls unter den Ehrengästen waren Joschi Ament, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und zugleich deren Landesvorsitzender in Baden-Württemberg sowie Werner Heininger (Freie Wähler) stellvertretender Bürgermeister der Kreisstadt Mosbach.
Mit herzlichen Worten begrüßte Anton Kindtner die Gäste zum 76. Kirchweihfest und eröffnete das festliche Programm. Sein Dank galt dabei allen Mitwirkenden, die mit viel Engagement zum Gelingen des Abends beigetragen hatten. Danach wurde es auf der Tanzfläche feierlich: Das Kirchweihpaar eröffnete mit seinem traditionellen Tanz den festlichen Abend. Unter den aufmerksamen Blicken der Gäste setzte es damit den ersten tänzerischen Höhepunkt und gab zugleich den Startschuss für das weitere Programm, durch welches Sabine Kress gekonnt und mit viel Charme führte.
Nach dem Tanz folgten die Grußworte des stellvertretenden Bürgermeisters Werner Heininger. Er hob die besondere Bedeutung der Region um Mosbach bei der Aufnahme von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg hervor, darunter auch vieler Vertriebener aus Ungarn. In 28 Viehwaggon-Transporten erreichten vom 1. Februar bis Mitte 1946 fast 30.000 Vertriebene das Auffang- und Verteilungslager Neckarzimmern. Viele von ihnen fanden im Mosbacher Hammerweglager zunächst eine notdürftige Unterkunft. Bereits 1947 wurden die Landsmannschaften der Deutschen aus Jugoslawien und Ungarn gegründet. Sie waren Vorläufer der späteren Landsmannschaft der Donauschwaben und trugen wesentlich zur schnellen Integration der Heimatvertriebenen bei.
Anschließend richtete Dr. András Izsák, ungarischer Generalkonsul in Stuttgart, seine Grußworte an die Gäste. Dem Anlass entsprechend hatte er eigens eine weiß-grüne Krawatte gewählt – in den Farben der Donauschwaben. Sichtlich erfreut zeigte er sich darüber, diesen besonderen Abend unter Freunden verbringen zu dürfen und „diese schönen Klänge zu hören und bekannte Tänze zu sehen“.
Und ein weiteres Zitat, welches ich aufgenommen habe und mit dem er die Zuhörer zum Schluss seiner Grußworte beeindruckte: „Das, was ihren Vorfahren widerfahren ist, ist eine Schande. Das darf nie wieder passieren und wird auch nie wieder passieren, wenn es an uns liegt, denn Ungarn ist sich seiner Schuld bewusst. Wir haben einen Gedenktag eingerichtet, den 19. Januar, wo wir jedes Jahr an die Vertreibung erinnern. Wir erinnern, damit das nicht mehr passieren darf. Aber das, was sie hier aufgebaut haben in Deutschland, ist nicht nur etwas Beispielhaftes, sondern auch etwas, vor dem ich persönlich auch meinen Hut hebe.“
Nach den Grußworten eröffneten die fünf Tanzpaare der Tanzgruppe Leimen mit dem Walzer „Junger Wein“ den folkloristischen Teil des Abends. Mit viel Freude und schwungvollen Schritten präsentierten sie anschließend die Polka „In der Weinschenke“, bevor der „Banater Unschuldswalzer“ die Zuschauer mit seinen vertrauten Melodien und Figuren begeisterte.
Besonders viel Applaus gab es zum Abschluss für die beliebte Polka „Veilchenblaue Augen“. Sie gehört zu den Tänzen, die bei den Banater Tanzgruppen in Deutschland fest zum gemeinsamen Repertoire gehören und bei keiner Gelegenheit fehlen dürfen. So wurde mit Musik, Tanz und viel Freude ein Stück Banater Heimat lebendig gehalten.
Danach gehörte die Bühne dem 1997 gegründeten „Tanzkreis“ der Gastgeber unter der Leitung von Rosi Kellner. In ihren schönen Trachten aus Karawukowa präsentierten die Tänzerinnen und Tänzer drei Tänze und brachten damit ein weiteres Stück donauschwäbischer Tanz- und Trachtenkultur auf die Bühne. Bereits mit der Eröffnung zu „Donauschwäbische Trachtenpolka“ ernteten sie viel Applaus. Mit sichtbarer Freude und sicherem Schritt zeigten sie, wie lebendig die überlieferten Tänze auch heute noch gepflegt und von Generation zu Generation weitergetragen werden.
Frischen Wind und jugendliche Energie brachte die Jugendtanzgruppe Mosbach unter der Leitung von Andreas Jupe und Monika Polland in den Saal. Die bereits 1958 gegründete Gruppe präsentierte sich in der Wandorfer Tracht aus Ungarn und verband damit schwungvollen Tanz mit einem Stück gelebter donauschwäbischer Tradition. Schon die Eröffnung mit der „Südböhmischen Polka“ kam beim Publikum bestens an. Nicht minder begeistert aufgenommen wurden die „Grüße aus Werischwar“. Mit der „Schnellen Polka“ zeigten die jungen Tänzerinnen und Tänzer anschließend ihr Temperament und ihre Freude am Tanz. Mit „Döngölö“ ging eine schwungvolle und abwechslungsreiche Darbietung zu Ende, die mit viel Applaus belohnt wurde.
Nach der Verlosung des Kirchweihstraußes, der – dem kräftigen Applaus nach zu urteilen – offenbar an eine im Saal bestens bekannte Dame ging, wurde es plötzlich geheimnisvoll. Die Showturnergruppe „Exótica“ brachte mit Ausschnitten aus ihrer Show „Zombie“ eine ganz besondere Atmosphäre in den Saal. Unter Blaulicht zeigten die Akrobatinnen und Akrobaten eindrucksvoll ihr Können und sorgten für so manchen staunenden Blick im Publikum.
Die Show „Zombie“ durfte bereits bei der „Rock-Symphonie“ auf Schloss Zwingenberg mitwirken. Seit 2015 ist die Gruppe immer wieder mit kleinen Gastauftritten bei den Schlossfestspielen Zwingenberg zu erleben. Dabei verlassen die Turnerinnen und Turner gelegentlich ihr vertrautes akrobatisches Terrain und schlüpfen auch in kleinere Schauspielrollen – eine schöne Ergänzung zu ihrem vielseitigen Können.
Auch das überwiegend betagte Publikum ließ sich von der außergewöhnlichen Darbietung begeistern und staunte über die beeindruckenden artistischen Leistungen der Gruppe. Mit ihren akrobatischen Einlagen sorgten die jungen Künstlerinnen und Künstler für einen besonderen Höhepunkt des Abends.
Nach der großen Pause, in der auch die Musikanten Gelegenheit hatten, sich zu stärken, durfte sich das Publikum auf einen besonderen Gast freuen: Die Jugendtanzgruppe aus Saar/Szár war eigens zu diesem besonderen Fest angereist. Begleitet wurde die Gruppe von ihrer eigenen Musikkapelle, die mit ihren Klängen von Anfang an für die passende Stimmung sorgte. Sechs Tänze und eine Zugabe hatten die jungen Tänzerinnen und Tänzer im Gepäck – und sie zeigten eindrucksvoll, wie lebendig die ungarndeutsche Tanztradition auch heute noch gepflegt wird.
Mit viel ungarischem Temperament und ordentlich Pfeffer im Blut tanzten sie „Feschi Khadi“ und danach „Festtag“ und begeisterten damit das Publikum. Nicht minder schwungvoll folgten die „Trink Bruder Polka“ und die „Alpenkärge“. Zum Ende der Darbietung wurde das Tempo noch einmal kräftig angezogen. Bei „Regniter Bal“ und der „Saarer Polka“ ging es immer schneller zu, und die Röcke der Tänzerinnen flogen nur so durch die Luft.
Als Zugabe gab es schließlich „Unsri Stimpf und unsri Scuó, tei ham a Lauch“ – ein stimmungsvoller Abschluss, der noch einmal für viel Freude im Saal sorgte. Mit anhaltendem Applaus verabschiedete das begeisterte Publikum die jungen Tänzerinnen und Tänzer aus Saar/Szár, die mit ihrem Auftritt ein weiteres Stück ungarndeutscher Heimat auf die Bühne gebracht hatten.
Gerade die Begegnung zwischen den Generationen und über Grenzen hinweg zeigte an diesem Abend eindrucksvoll, dass die donauschwäbische Tradition lebendig ist und Zukunft hat. Ein besonders schönes Bild bot dabei die große Zahl der Trachtenträgerinnen und Trachtenträger: Rund 100 Frauen und Männer in donauschwäbischer Tracht waren bei der Kirchweih dabei und verliehen dem Fest damit ein ganz besonderes Gepräge.
So wurde die Kirchweih weit mehr als nur zu einem geselligen Abend. Sie wurde zu einem sichtbaren Zeichen des Zusammenhalts und der Verbundenheit – einer Gemeinschaft, in der Kultur nicht nur bewahrt, sondern mit Freude gelebt und an die nächste Generation weitergegeben wird. Menschen aus verschiedenen Generationen und von beiden Seiten der Grenze kamen zusammen, tanzten miteinander, musizierten und feierten ein Stück gemeinsamer Heimat.
Heimat kann bewahrt werden, indem man sie gemeinsam lebt und an die nächste Generation weitergibt. Und genau das haben die vielen Tanzgruppen, die Musikanten, die Trachtenträger und die jungen Menschen an diesem Abend gezeigt.
Und vielleicht lässt sich das, was diesen besonderen Abend ausmachte, am schönsten mit wenigen Worten zusammenfassen: „Wir waren dabei. Wir gehören zusammen. Und wir pflegen diese Tradition gemeinsam.“
Toni Michels
