Die Chronik der Katharina Frank


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PART I – INTRO

 

Am 5. April 2017 ist ein wunderbarer Mensch von uns gegangen. Meine Urgroßmutter Katharina Frank, geborene Portscheller, starb mit stolzen 95 Jahren in Nordheim, Baden Württemberg. Diese starke Frau hatte den Zweiten Weltkrieg überlebt, die Verschleppung nach Russland und den Kommunismus in Rumänien. Einige Jahre vor ihrem Tod, als sie 91 war, hatte ich über mehre Besuche hinweg ihre Geschichte mit einem Mikrophon aufgenommen. Damals war mir wohl noch nicht ganz bewusst, was aus dem gesammelten Material mal wird. Ich bin Journalist. Und wirklich Journalist zu sein und derartig mit Informationen umgehen zu wollen, wählt man sich nicht als Beruf aus oder man tritt auch nicht in „diesem Feld“ einen neuen Job an. Man ist einfach so. Genauso wie der Bäcker einfach seine Passion am Backen hat, der Gitarrenspieler an der Musik oder der Computer-Nerd bei der Programmierung einer Software. Zum Einen war es bei mir krasse Neugier, aber auch das tiefe Gefühl, dass hier sehr wichtige Informationen vorhanden sind, die für die Nachwelt festgehalten werden sollten. Es heißt ja auch, man muss die Vergangenheit verstehen, um die Gegenwart erkennen und damit die Zukunft verändern zu können. Katharina Frank erzählt spannend und unterhaltsam, oft im Dialekt – hier hilft die Verschriftlichung – aber meistens in deutlicher Aussprache. Die Teile über ihre Kindheitserlebnisse in Jahrmarkt oder die Begebenheiten und Traditionen aus damaliger Zeit sind aufschlussreich und informativ, die Geschichten der Nachkriegszeit beklemmend und ernüchternd. Was mich am meisten fasziniert, aber auch unheimlich schockiert hatte, waren jedoch ihre Erzählungen von der grausamen Verschleppung nach Russland und ihrer abenteuerlichen Heimkehr quer durch Europa. Unvorstellbar was diese Frau alles durchstehen musste und dennoch konnte sie eine 19-köpfige Familie, bestehend aus Kindern, Enkeln und Urenkeln ins Leben rufen. Zählt man jeweils die Ehegatten hinzu, beläuft sich der „enge Kreis“ der Verwandtschaft“ auf 30 Personen, einige davon sind bereits verstorben.

Ich habe das Interviewmaterial ebenfalls in 30 Kapitel aufgeteilt, das hat sich so ergeben. Die Interviews verliefen größtenteils in fortlaufendem chronologischem Ablauf, oft sprang meine Urgroßmutter aber auch zwischen Zeiten und Situationen hin und her. Innerhalb einer Interviewsitzung wurden daher mehrere Themen besprochen. Bei der Editierung habe ich die jeweiligen Passagen thematisch zusammengefasst und in eine zeitliche Abfolge gesetzt. Das erste Kapitel stellt das Intro dar. Es sind die Worte, die sie für ihre Vorstellung gewählt hat und die sie letztlich ausmachten: Ihre Familie. Das zweite Interview schließt mit der Kindheit an. Als Start haben wir die Kapitel 1 bis 4 online gestellt, die weiteren 26 Teile folgen in regelmäßigen Abständen. Der Strukturbaum ist auf der Webseite bereits angelegt und die noch nicht erschienenen Kapitel und Abschnitte sind sichtbar, jedoch noch durchgestrichen. Im Laufe des Erscheinens werden diese entsprechend freigeschalten.

Pro Kapitel ist also ein eingebettetes Audiopodcast zum Anhören vorhanden, darunter findet sich jeweils die Verschriftlichung des Interviews, außerdem sind bei den Berichten zur Verschleppung nach Russland und zur Flucht Landkarten mit eingefügt. Meine Urgroßmutter hatte ein besonderes Talent für gutes Erzählen. An vielen Stellen übernimmt sie Stimmen von beteiligten Personen aus ihren Erinnerungen, baut Zitate oder Gesprächspassagen ein und verleiht den Geschichten eine packende und amüsante Dynamik. Ich habe versucht die Stellen im Text durch Hervorhebungen und zusätzliche Personenangaben zu verdeutlichen, es spricht aber natürlich nur meine Urgroßmutter. Die vorhandenen Fotografien habe ich beim Durchstöbern alter Alben gefunden oder andere Familienmitglieder haben mir diese zugesendet. Ein großer Dank geht hierbei an meinen Großonkel Franz (Jakob) Frank. Auch dürfen wir für dieses Projekt Fotomaterial mit freundlichen Genehmigungen von anderen Heimatsortsgemeinschaften, anderen Vereinen und Banater Schwaben verwenden. Die jeweiligen Quellenangaben und Verlinkungen stehen bei den Fotos. Meine Urgroßmutter war zum Zeitpunkt der Aufnahmen 91 Jahre alt und noch äußerst fit im Kopf. Aber entsprechend des hohen Alters lässt natürlich auch das Erinnerungsvermögen nach. Sollten also Unstimmigkeiten, Verwechslungen oder sonstige Fehler in den Erzählungen auftreten, bitte ich darum, diese mit Nachsicht zu behandeln.

Günther Michels, ältester Urenkel

 


 

PART I – INTRO

>>> (1) Kapitel 1.1.: Die Familie  [Nordheim – Baden Württemberg]

 


 

>>> VERSCHRIFTLICHUNG DES INTERVIEWS <<<

Kapitel 1.   [INTRO]   Die Familie

(Katharina): „Na, wie soll ich jetzt anfangen? Ich hab auch schon überlegt gehabt. Ich bin eine alte Frau. Also ich hab vier Kinder, drei Mädchen, einen Sohn. Die eine Tochter ist mittlerweile gestorben. Und die anderen sind verheiratet. Die älteste Tochter hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Die andere Tochter hat nur einen Sohn. Und der Sohn hat zwei Mädchen. Die sind auch alle verheiratet. Und ich bin doch Oma, ihre Oma. 26 Personen ist meine Familie groß. Da sind neun Urenkel, fünf Enkelkinder, also vier Kinder hatte ich, eines ist ja gestorben, dann noch die drei.“

 


Katharina Frank (rechts) mit Sohn (links), ihren drei Töchtern und den zwei Schwiegersöhnen.


 

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